Am 30. Juli 2005 fand im Görlitzer Park in Berlin die erste Edition des "zoom out!"-Videofestivals statt, welche die Videoarbeiten der KunststudentInnen aus Berlin und Warschau präsentierte.
Über 400 Personen haben sich die 34 Filme (12 von den Studenten der Kunstakademie Warschau sowie 22 von den Studenten der Universität der Künste und der Kunsthochschule Weißensee in Berlin) angeschaut. Einer der Festivaljuroren, Krzysztof Visconti, sagte: um ein so großes Publikum werden einige, der von großen Institutionen organisierten deutsch-polnische Veranstaltungen und einige der Berliner Film- oder Videofestivals "zoom out!" nur beneiden. Es war fantastisch, so eine zahlreiche Gruppe von Menschen zu beobachten, die mit Aufmerksamkeit das über zweistündige Programm verfolgten. Die gezeigten Filme sowie die Festivalidee provozierten lebendige Reaktionen des Publikums und brachten viele positive Bewertungen.
Ich habe schon lange nicht mehr eine solch positive Energie erlebt wie in der Stimmung des Abends. Begeistert war ich vor allem von der Idee, diese jungen und sehr experimentellen Arbeiten in den öffentlichen Raum zu bringen und damit zur Diskussion zu stellen. Das ist Videogeist im wahren Sinne, so haben alle Großen einmal angefangen und es ist heute immer noch ein Teil der erbitterten Grabenkämpfe zwischen dem "claim for public" und der institutionalisierten Marktpraxis. Dieser Kampf wird meist auf Podien während der Festivals ausgetragen und dreht sich darum, dass Videokunst sichtbar bleiben muss und nicht durch überteuerte Preise in Privatsammlungen landet, wo sie niemand mehr zu sehen bekommt. Gerade für junge Künstler ist die Sichtbarkeit aber nur durch Ausstellungen oder eben durch öffentliche Screenings auf Festivals möglich, ein wichtiger Weg, um überhaupt wahrgenommen zu werden. (Katja Albers)
Das Festival zeichnete eine große Differenzierung der Arbeiten. Es war schwierig zu bewerten, wo die Grenze der Videokunst aufhört... Die Formel des Festivals war offen, es wurden doch fast alle zugeschickte Filme angenommen. Das war aber interessant, weil es einen breiten Überblick über die Filme, die Studenten der Kunstakademien und nicht der Filmschulen machen, verschaffte. (Leszek Molski)
Das Hauptziel des Festivals scheint also erreicht zu sein. "zoom out!" ermöglichte einen Überblick über das, was im Bereich "Videokunst" an der Berliner und Warschauer Kunstakademien passiert, ohne eine Selektion von außen vorzunehmen. Die große Zahl an Filmen sowie das deutsch-polnische Repertoire machten einige Differenzen sichtbar. Unter diesen war für mich das unterschiedliche Verständnis von Videokunst besonders interessant. Zu weiteren Unterschieden haben sich einige von den am "zoom out!" teilgenommenen Künstler geäußert: Die polnischen und deutschen Filme unterschieden sich in der Auffassung voneinander. Die polnischen versuchten etwas "tieferes" anzufassen: die Existenzfrage, die Metaphysik. Die deutschen waren dagegen lockerer, verrückt. (Marcin Chomicki, ASP Warszawa)
Von der technischen Seite gesehen, denke ich, dass die Berliner Studenten die größeren technischen Möglichkeiten haben und die deutschen Filme deshalb "wahnsinniger" waren, dass sie viel mehr ein technisches Experiment darstellten. (Justyna Wencel, ASP, Warszawa)
Interessant war, dass die deutschen und polnischen Arbeiten zusammen gezeigt wurden. Ich glaube, dass es in den polnischen Filmen viel Melancholie gab, die in den deutschen nicht drin war. (Jana Heilmann, KHB, Berlin)
Die Jury hatte keine leichte Aufgabe die Filme zu bewerten. Es wurde kein erster, zweiter und dritter Preis vergeben, sondern die Jury nannte elf herausragende Arbeiten mit einer besonderen Erwähnung. Die Entscheidungen wenden sich dem experimentellen "Geist" der Videokunst zu...
HIER das Programm und die Bewertungen der Jury!
So viel also zum Berliner Teil des "zoom out"-Videofestivals ... Ich bedanke mich nochmals bei den Künstler, Juroren, Sponsoren, beim Publikum und bei allen, die mir geholfen haben das Festival zu verwirklichen!
Herzliche Einladung nach Warschau, wo am 9. Oktober 2005 der zweite Teil des Festivals stattfindet.
Wir werden das gleiche Programm zeigen und hoffen auf genauso großes Publikum und so viel Ressonanz wie in Berlin. Bis dahin also!
Kasha Bittner